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    Leseratte

    Ich hab ja immer gehofft, dass ich nach dem Ende des Studiums erst mal so schnell kein Buch mehr lesen werde. Vor allem nach dem Berg an Literatur, den ich für meine Magisterarbeit und die beiden anschließenden Prüfungen gewälzt hab. Doch das lineare Wachstum meines Lesekonsums über die letzten Jahre scheint nun doch weiter zu gehen.

    Kindheit und Schulzeit
    Als Kind fand ich es noch cool, "Die 3 Fragezeichen" zu lesen. Später beschränkte ich mich dann eher auf Asterix und Lucky Luke. Im Gymnasium war es schon ein mords Act in Deutsch oder Englisch ne Lektüre zu lesen. Aber es musste halt sein, weil ich sonst in der Schulaufgabe versagt hätte - und Wikipedia gab es damals noch nicht. Später hab ich mir Referate schnell aus verschiedenen Internetseiten zusammenkopiert. Selbst in meiner Facharbeit hab ich nur ein Buch so richtig ganz gelesen, in ein paar anderen Bücher nur einzelne Kapitel und wieder ganz viel im Internet. Rückblickend wunder ich mich, wie ich mit dieser Arbeitsweise eigentlich ne durchaus gute Facharbeit geschrieben hab...

    Studium
    In der Uni hab ich in meinen ersten 3 Semestern kein einziges Buch gelesen. Das Skript reichte aus um alle Prüfungen zu bestehen. Erst als ich in einem Proseminar eine Hausarbeit über Southern American English schreiben sollte hab ich mich zu ersten mal intensiv mit Fachliteratur beschäftigt. Mein Anspruch an die damalige Hausarbeit war ursprünglich einen Sachverhalt zu analysieren, der bisher noch nicht betrachtet wurde. Ganz im Sinne der Wissenschaft wollte ich etwas zur Forschung beitragen. Irgendwann merkte ich dass ich das mit dieser Hausrbeit nicht schaffen würde und konzentrierte mich auf das zusammentragen verschiedenster Informationen aus diversen Quellen. Diese dann schön strukturiert anordnen und die ganzen Zitate mit ein paar eigenen Worten schmücken. Das Erbenis war ne 1,3 und ich war mächtig stolz und bei mir hat's im Hirn geschnackelt. Wissenschafts-Swag mächtig aufgedreht!
    Ist halt doch so wie es @torschtl mal so schön treffend formuliert hat: "Gut zitiert ist halb studiert!"
    So war mein Ziel bei jeder weiteren Hausarbeit neue wissenschaftliche Erkenntnisse zu liefern.  Ich wälzte immer verschiedenste Quellen um das komplette Forschungsgebiet vollständig zu erfassen und dann in eine Lücke stoßen zu können (no homo). Dadurch uferte die Literaturrecherche schon mal ziemlich aus. Bis endlich das Gefühl hatte alles an relevanter Literatur gelesen zu haben konnten schon mal ein paar Monate vergehen. So schob ich auch meine letzte Haupt-Seminararbeit etwa 6 Monate vor mir her, wodurch sich mein Studium unter anderem um ein Semester verlängert hat.
    Letztendlich bin ich dann doch noch zu meiner Magisterarbeit gekommen. Hier hab ich dann das ganze Literatur-Reinfressing nochmal zum Exzess betrieben um auch wirklich das komplette Forschungsgebiet erfasst zu haben. Das Ergebnis war dann ein sehr ausgedehnter Theorieteil plus ein erweiterter Praxisteil. Nach einer umfassenden Kürzungsaktion kurz vor Abgabe bin ich dann noch auf 115 Seiten runter gekommen - geschrieben in etwa 14 Tagen. Nachdem ich alles an Literatur aufbereitet hatte musste ich quasi nur noch die Zitate und cf.-Passagen mit meinen Worten verbinden.
    Das Ergebnis ist leider noch immer offen...
    Bei meinen Prüfungen konnte ich mich zum Glück vorwiegend auf Artikel aus Fachzeitschriften und nur ein paar wenige Bücher beschränken (... und auch einen Film, ne Doku und Wikipedia - aber psst!). Also nur nochmal ein kleiner Hügel kurz zum Schluss. Mit der Hoffnung, dass ich mich literaturtechnisch nach meinem Studium nur noch in seichte Gewässer und flache Ebenen begeben muss stieg ich dann ins Berufsleben ein...

    Beruf
    Doch hier wurde es leider wieder hügelig. Ich musste mich in viele neue Gebiete einarbeiten... und was macht einer, der durch ein geisteswissenschaftliches Studium schon vorgeprägt ist? Er holt sich einen Haufen an Literatur aus der Bibliothek überall den Einstieg zu finden. Das ging zum Teil sogar soweit, dass mein kompletter Schrank nur mit Büchern zu den verschiedensten Themen gefüllt war. Ich habe das Gefühl, dass ich nach nun fast 4 Monaten im Job mehrere Hausarbeiten schreiben könnte, zu den unterschiedlichsten Themen: Overall Equipment Effectiveness, Total Productive Maintenance, Shopfloor Management, Kennzahlensysteme, Produktions-Controlling, Management Informationssysteme, Richtig präsentieren, Informationsvisualisierung, Seminare halten.
    Inzwischen habe ich mich soweit eingearbeitet, dass ich erst letzte Woche 5 Kilo Bücher zurückgeben konnte ;) Es ist also ein Ende in Sicht.

    Was ich also vor allem aus dem Studium mitgenommen habe ist die Fähigkeit mich innerhalb von einigen Wochen in komplett fremde Themengebiete einzuarbeiten um das gelernte Wissen dann anwenden zu können. Und das alles mit Hilfe von haufenweise Fachliteratur ;) Mein Gedanke ist quasi immer, dass das was ich machen will so ähnlich bestimmt schon mal von wem anderes geamcht wurde. So hoffe ich viele Fehler vermeiden zu können. Also kein Learning-by-Doing...
    Was mich hier mal interessieren würde ist, ob andere auch so an neue Herausforderungen herangehen? Ich hab das Gefühl, dass ich vor allem durch mein Studium dazu getrimmt wurde erst mal INFORMATIONEN in der Literatur zu finden. Ich werde bestimmt auch in Zukunft erst mal in die Bibliothek gehen, wenn ich ein neues Thema angehe und mich mit Büchern eindecken... kein Ende in Sicht ;)

    Bin ich etwa doch mehr durch die Geisteswissenschaft geprägt, wie ich mir selbst eingestehen will??

    Tags » dan
    • 18 March 2011
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